"à trois, ou avec tout l'orchestre"
Pariser Orchestertrios
Die Orchestertrios, geschrieben für zwei Violinen und Bass —gelegentlich mit der optionalen Hinzufügung von zwei Hörnern— bilden eine Gattung, deren endgültige Besetzung den Ausführenden überlassen bleibt, unabhängig davon, ob die Werke solistisch oder mehrfach besetzt aufgeführt werden. Unser Projekt gibt einen Überblick über diese kurzlebige Gattung und umfasst Werke, die bis heute ungedruckt geblieben sind und vermutlich seit mehr als 250 Jahren nicht mehr erklungen sind.
Die Orchestertrios haben bislang nur sehr geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren und wurden hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Schaffen vergleichsweise bekannter Komponisten wie Johann Stamitz (1717–1757) und François-Joseph Gossec (1734–1829) betrachtet. Bis heute existiert jedoch keine allgemeine Studie zu dieser Gattung, und die Existenz dieser Werke bleibt nicht nur dem Publikum, sondern auch vielen Musikern und Forschenden weitgehend verborgen. Wahrscheinlich haben zwei Faktoren zu dieser Situation beigetragen: zum einen die Schwierigkeit, die Grenzen der Gattung klar zu definieren, zum anderen das Fehlen eines spezifischen zeitgenössischen Begriffs zu ihrer Bezeichnung. Die Werke wurden u.a als Sonaten, Sinfonien oder einfach Trios bezeichnet —ein Problem, das sie bis zu einem gewissen Grad mit dem Repertoire der Streichtrios teilen, aus dem sich die Orchestertrios entwickelt haben.
Wir konnten mindestens fünfzehn zwischen 1755 und 1770 in Paris gedruckte Sammlungen identifizieren, die zweifellos Werke enthalten, die sich den Orchestertrios zuordnen lassen. Dies belegt die Entwicklung eines Repertoires, das schon bald wieder aufgegeben und vergessen wurde. Auf den Titelseiten finden sich Formulierungen wie „à grand orchestre“, „à tout l’orchestre“ oder „a piena orchestra“, die auf die Möglichkeit einer orchestralen Aufführung hinweisen, wobei sich Werke für grössere Besetzungen mit solchen für kammermusikalische Aufführung abwechseln.
Einige dieser Drucke wurden später auch in anderen europäischen Hauptstädten neu aufgelegt. Darüber hinaus sind Orchestertrios in handschriftlichen Kopien in Österreich, Italien und Spanien überliefert und besonders zahlreich in Süddeutschland vertreten. Dennoch scheinen die aristokratischen Salons des Paris unter Ludwig XV. jenes Umfeld geboten zu haben, in dem die Gattung ihre grösste Blüte erlebte.
FR. 27. NOVEMBER 2026 | 19:30 Uhr
Zunftsaal Schmiedenhof, Basel (CH)
Eintritt frei - Kollekte
Werke von
Johann Stamitz (1717-1757)
Ramón Rodríguez Monroy (1743-1812)
Marie Alexandre Guénin (1744-1835)
Valentin Roeser (1735-1782)
François Joseph Gossec (1734-1829)