Posta in Quartetti

Boccherinis Terzetti op. 54 (1796)

Die sechs Streichtrios für zwei Violinen und Violoncello, op. 54, stellen Boccherinis letzten Vorstoss in ein Genre dar, in dem er besonders produktiv war. Die Popularität und der enorme editorische Erfolg seiner Streichtrios – sei es für zwei Violinen und Violoncello oder für Violine, Viola und Violoncello – führten sogar zu Fälschungen und falschen Zuschreibungen durch Musikverleger. Dennoch stellen die Terzetti op. 54 einen komplexen Fall dar, da eine Umarbeitung der Werke als Streichquartette existiert.

Im Jahr 1796 nahm Luigi Boccherini (1743-1805) nach zehn Jahren ohne Neuerscheinungen des in Italien geborenen Meisters auf dem europäischen Markt die Veröffentlichung seiner Werke wieder auf. Als Verlag wurde das renommierte Haus unter der Leitung von Ignaz Pleyel (1757–1831) gewählt, der selbst zu den angesehensten Komponisten seiner Zeit zählte. Die Trios op. 54 – die letzten 1796 von Boccherini komponierten Werke – gehörten zur zweiten Sendung seiner Kompositionen, die von Madrid nach Paris zur Veröffentlichung geschickt wurden. Pleyel druckte jedoch nur vier von ihnen und bearbeitete zwei als Violine Duos.

Obwohl zu Lebzeiten des Komponisten nie gedruckt und bis heute unveröffentlicht, existiert auch eine Fassung für Streichquartett, die bereits im 19. Jahrhundert bekannt war. In einem Kommentar aus dem Jahr 1851 schrieb Louis Piquot (1804–1870), Boccherinis erster Biograph, über op. 54: „Dieses schöne Werk ist von Boccherini selbst für vier Instrumente gesetzt worden.“ Demgegenüber stufte Yves Gérard, der 1969 den vollständigen Werkkatalog Boccherinis veröffentlichte, diese Werke angesichts des Mangels an konkreten Belegen für die Mitwirkung des Komponisten an der Bearbeitung als „zweifelhafte Werke“ ein – obwohl er einräumte, dass „nur der Komponist selbst für Bearbeitungen von einer derart hohen Qualität verantwortlich gewesen sein könne“.

Die Entdeckung einer Abschrift von Boccherinis handschriftlichem Werkverzeichnis, angefertigt vom französischen Geiger Pierre Baillot (1771–1842), einem persönlichen Bekannten des Komponisten, wirft neues Licht auf diese Frage. Auf der dem „Opera 54“ gewidmeten Seite vermerkte Baillot den Hinweis „Posta in Quartetti“, der Boccherinis Beteiligung an der Bearbeitung deutlich stützt. Heute befindet sich die einzige bekannte Abschrift dieser Streichquartettfassung in der Library of Congress in Washington. Sie wurde bislang weder ediert noch veröffentlicht oder reproduziert. Folglich werde unsere Aufführung sehr wahrscheinlich die erste öffentliche Aufführung und die moderne Erstaufführung dieser Werke darstellen.

Boccherinis Werkverzeichnis von P. Baillot kopiert (Bibliothèque nationale de France)

FR. 4. SEPTEMBER 2026 | 19:30 Uhr
Haus zum Kirschgarten, Basel (CH)
Eintritt frei - Kollekte

Germán Echeverri

Soko Yoshida

Lena Rademann

Carlos Leal Cardín